Wie übt man richtig Klavier?
Richtiges Üben
bedeutet: Alles
Notwendige zu tun, um die Musik, den musikalischen Inhalt zum Leben zu
erwecken, zum hörbaren Erlebnis zu machen. Das heißt konkret:
1.
Sich eine klare Vorstellung des musikalischen Inhalts aneignen.
Sich
überlegen, welche emotionalen Inhalte durch
das Stück ausgedrückt werden. Man beachte dabei auch die feinen
klanglichen
Unterschiede und dynamische Abstufungen.Wie ist der musikalische
Spannungsverlauf, wo ist der Höhepunkt (wie im Aufsatz)? Wie ist das
Stück
formal aufgebaut? Gute Interpretationen anhören, die Noten mitlesen und
auf
diese Feinheiten achten. Allgemein viel gute Musik hören.
2.
Sofort die Umsetzung des musikalischen Inhaltes anstreben.
Alle
Artikulations- und Dynamikzeichen schon beim
Einstudieren der Noten beachten, den musikalischen Ausdruck möglichst
sofort
mit einüben. Zuerst irgendwie die Noten lernen und dann die Musik
später
hinzufügen scheitert, weil es in der Regel einfach nicht gemacht wird.
Es
kostet enorme Anstrengung, oberflächlich einstudierte Abläufe wieder zu
ändern.
Zudem wäre dies doppelte Arbeit und deshalb eine erhebliche
Zeitverschwendung.
Es macht absolut keinen Sinn und keinen Spaß "unmusikalisch" zu üben.
3.
Technische Probleme kreativ meistern.
Aus
den im Stück vorkommenden Elementen möglichst
vielseitig Übungen entwickeln. Virtuose Aufgaben, die oft mit
sportlichen
Anforderungen vergleichbar sind, verlangen in aller Regel großes
Durchhaltevermögen. Aber auch hier gilt: Je kreativer ich übe, desto
mehr Spaß
habe ich, umso leichter fällt das Durchhalten.
4.
Konzentriert üben
Was
bedeutet Konzentration? Laut Duden: "Geistige
Anspannung, höchste Aufmerksamkeit, die auf eine Tätigkeit o.ä.
gerichtet
ist." Ein Zen Meister würde es wahrscheinlich so ausdrücken:
"Wenn ich Klavier spiele, dann spiele ich Klavier, wenn ich übe, dann
übe
ich," oder so ähnlich. Klingt eigentlich ganz einfach.
5.
Nicht mechanisch üben.
Erzfeind
der Konzentration ist mechanisches Üben.
Das bedeutet natürlich nicht, dass es sinnlos ist, Tonleitern, oder
andere rein
technische Elemente zu üben. Ganz im Gegenteil..Gerade bei technischen
Übungen,
wo musikalischer Inhalt fehlt, ist unsere Kreativität besonders
gefragt. Wir
müssen der Übung quasi "Inhalt" geben. So können wir beispielsweise
eine Tonleiter z.B. legato, staccato, in unterschiedlicher Lautstärke,
verschiedenen Phrasierungen, Rhythmen usw. spielen. Es kann sogar
sinnvoll
sein, emotionale Inhalte hinzuzufügen. Man kann auch eine Tonleiter
lustig,
traurig, feierlich usw. spielen. Weitere emotionale Eigenschaften wären
z.B.:
begeistert, erhaben, wütend, freudig, streng, romantisch,...usw.
Erstellen Sie
am besten Ihre eigene Liste.Grundsätzlich sollten wir immer versuchen,
selbst
die trockenste Übung in lebendige Musik zu verwandeln. Spätestens, wenn
die
Gedanken abwandern, müssen wir uns eine neue Variante ausdenken. Die
Konzentrationsfähigkeit ist zwar sehr individuell, jede Übung sollte
aber nach
wenigen Minuten zum Erreichen eines gesetzten Zieles führen.
6.
Eins nach dem Anderen.
Wenn
man versucht alles auf einmal umzusetzen, wird man am Ende gar nichts
erreichen. Klavierspielen ist eine komplexe Tätigkeit. Man muss
natürlich die
Fähigkeit entwickeln, letztendlich viele Dinge gleichzeitig zu
kontrollieren.
Aber das lernt man am besten, wenn man die verschiedenen Aufgaben
zerlegt und
eine nach der anderen löst.Selbstverständlich dürfen wir dabei nicht
den Blick
fürs Ganze verlieren, den musikalischen Inhalt.
7.
Klare, machbare (Teil-)Ziele setzen und diese erreichen
Je
konkreter das Ziel ist, desto schneller kann man es auch beim Üben
erreichen. Beim Üben eines Abschnittes versucht man beispielsweise
auf korrekten Fingersatz zu achten oder man konzentriert sich nur auf
den richtigen Rhythmus., die Dynamik, die Artikulation... Auf keinen
Fall auf alles gleichzeitig! ("rotierende Aufmerksamkeit")
7.
Sich selbst zuhören
Um
die Qualität beständig zu erhöhen ist es nötig,
die objektiven hörbaren Ergebnisse bewusst wahrzunehmen. Auch dies
funktioniert
nur mit Konzentration. Der Schüler muss dazu erzogen werden, jede
falsche Note,
jede Ungenauigkeit, unangemessenen Klang (zu hart, zu weich,
unbeabsichtigte
Akzente), einfach alles was nicht zur überzeugenden Interpretation
beiträgt,
wahrzunehmen und sofort zu korrigieren.Der Wille sich selbst bewusst zu
zuhören, hilft allerdings auch konzentriert zu bleiben. Um dies zu
erreichen
muss man:
8.
Langsam und kontrolliert üben
Zu
schnelles Üben verhindert sorgfältiges Zuhören
und bewusstes Wahrnehmen des realen Spieles. Deswegen muss man das
Tempo so
langsam wählen, dass alles bewusst hörbar und nachvollziehbar ist
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